Sa
18
Okt
2008
über Malaria, common cold, Sheraton, Toubab und Babylon
Das letze Mal, wo ich mich bei Euch gemeldet
hab, bin
ich soeben aus Babylon (so heisst Europa in Gambia) - und jeder, aber
auch wirklich JEDER der ein bisschen mehr pigmentierten Menschen als wir
es sind hat nur ein einziges Ziel: wie komme ich am schnellsten dahin.
Schon krass, man sitzt einfach rum, kratzt sich da, wo es einem am
wohlsten ist und wartet bis irgendein Toubab/-in kommt, der einem nach
Babylon mitnimmt. ODER aber, man bezahlt ca. 30′000 Dalasi (~ 1000 Euro)
für eine der illegalen und äusserst lebensgefährlichen Überfahrten zur
iberischen Halbinsel.
Es kehrte der alltägliche Trott ein, obwohl ich je
länger je weniger zu tun hatte, da meine Studenten mittlerweile in der
Lage sind, Patienten selbstständig zu behandeln.
Am Wochenende, eingecheckt, an der Bar im Hotel in der
Haupstadt Banjul,
mit meinem obligaten GinTonic sitzend überkam mich eine Art von Glücksgefühl. Lernte dort eine mexikanische Flugbesatzung (Pilot, Copilot, 4 Crews) kennen, die seit über 1 1/2 Monaten im Sheraton
wohnten. Die Jungs wurden von der gambianischen Fluggesellschaft (welche übrigens auf der schwarzen Liste in Europa ist (= europaweites Landeverbot)) gemietet, um deren Flugzeuge zu fliegen. Dumm
nur, dass die Fluggesellschaft kurz vor dem Grounding steht, die Jungs irgendwie vergessen wurden und nun seit geraumer Zeit sich ein schönes Leben im Sheraton auf Kosten einer im Sterben liegenden
Company machten. Die
Flieger waren passionierte Beachvolleyballspieler (würden sonst ich glaube vor Langeweile sterben) und so betätigte sich Kleinmarkus zum ersten Mal in Gambia sportlich:)
4. 10. 2008 - Gegen Nachmittag bekam ich plötzlich starken
Schüttelfrost, Übelkeit und vor
allem unglaubliche Kopfschmerzen. Lag ab 17 Uhr im Bett und hab mich selbst bemittleidet. Am Sonntag verstärkten sich die Symptome und ich bekam langsam Angst, da Malaria in diesem Land an der
Tagesordnung ist und die Prophylaxe nur einen ca. 75% Schutz gibt. Am Montag gings mir zum Glück ein bisschen besser, doch wollte ich Malaria mit Sicherheit
ausschliessen und so begab ich mich in das nur 1 1/2 Stunden entfernte Privatlabor. Der Goldstandart in der Malariadiagnostik ist ja bekanntlicherweise der “Dicke Tropfen”, dass man mir dazu aber den
halben Finger amputieren würde, wusste ich zum Glück im Vorfeld nicht. Der Finger ist zwar noch dran, aber der liebe Laborant benutzte doch eine 24g IV
Kanüle um ein Loch zu in meinen Finger zu stanzen. DANKE. Langer Rede kurzer Sinn: Keine Malaria … es sei nur ein “common cold”…

