Swiss Student Fund for Children Empowerment

Mi

08

Okt

2008

von Brikama bis nach Basse und zurück

Mein vorgegebenes Program sah den Besuch der
entlegensten östlichen Provinzen von Gambia, nahe der senegalesischen
Grenze vor. Ich war die letzten Wochen damit beschäftigt, diesen Trip zu
organisieren, und glaubt mir, es war wirklich nicht einfach. ABER, die
Schweiz hat mal wieder gewonnen. Mit viel Ach und Krach organisierte ich
einen Touribus und die nötigen Schlafmöglichkeiten. Es kostete viel
Schweiss, Geduld und Überzeugungsarbeit, aber am Ende hats geklappt.
Aufbruch war auf 07.00 terminiert. Auf der Reise besuchte ich alle zukünftigen
Arbeitsplätze meiner Studenten und nahm einen Augenschein vor Ort. War
wirklich sehr interessant, da ich vom simplen Health Center bis zum
Landesspital alles sah. Im Landesspital wurde ich dem CEO vorgestellt,
der persönlich eine Führung durch das ganze Spital inkl. Ops leitete.
Schon krass. Auf einem an eine Holzplanke erinnernder Operationstisch
werden sozusagen alle möglichen Eingriffe (Trauma, Tumor,
Viszeralchirurgie) vorgenommen, ohne jegliches Monitoring der
Vitalfunktionen. Habe leider vergessen nach der Überlebensquote zu
fragen. Es waren etwa 7 Stationen die ich auf der Hinreise besuchte. Die
Hinreise machten wir übrignens auf der Südbank, auf welcher die Strasse
nicht richtig ausgebaut war. Von Brikama (da wohne ich) bis nach Basse
(unser Endziel) waren es ca. 400 km. Maximalgeschwindigkeit 30 km/h,
welche aber nur selten ausgefahren werden konnte. Man rechne!! Eine
Klassenfahrt ist ja bekanntlich immer lustig. Schon komisch, früher war
ich derjenige, der einfach zurücklehnen und geniessen konnte, jetzt
hatte ich die Verantwortung für 12 Leute. 

Unser Ziel erreichten wird dann auch um 02.30 Uhr und stellten zu
unserer Freude fest, dass ganz Basse seit 3 Tagen kein Strom (wird mit
Dieselgeneratoren erzeugt. Benzin ist im ganzen Land sehr knapp) und
fliessend Wasser hatte. Ausserdem sahen die “Zimmer” aus, als ob sie
über Jahrhunderte unter Wasser standen. ALLES lebte darin - eine “spezialisierte indoor Flora und Fauna” kann man da schon sagen. Am nächsten Morgen nahmen wir dann einen
Augenschein von unserem Arbeitsplatz für die nächsten 3 Tage und mussten
“überraschterweise” feststellen, dass NICHTS vorbereitet wurde. Richtete in einer Augenklinik aus dem vorherigen Jahrhundert (es wurde sicherlich auch das letzte Mal zu diesem Zeitpunkt gereinigt) ein “Feldklinik” mit 5 Behandlungsplätzen ein. Was dann  passierte, stellte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vor. Am ersten Tag kamen über 100 Patienten, um sich gratis behandeln zu lassen. Das Ganze endete in einer
Massenschlägerei mit Einschreiten der Polizei, da die Leute sich wie wilde Tiere benahmen. Unglaubliche Bilder. Jeder wollte zuerst behandelt werden. Da wir ja keinen Strom hatten, musste ich gegen Abend, als es drinnen zu dunkel wurde, die Behandlungen im Freien auf dem Boden durchführen. Nach diesen 3 Tagen haben wir es doch tatsächlich geschafft
über 270 Patienten zu behandeln, teils liegend, teils sitzend oder eben draussen auf dem Boden. Ich blicke schon ein bisschen stolz auf das Geleistete zurück, da mir der Klinikleiter gesagt hat, dass diese Zahl noch von keinem ToubabZahnarzt erreicht wurde. Des Weiteren machte es mich ebenso stolz, als ich gesehen habe, wie sich “meine” Studenten in
einer solchen Situation verhalten und das von mir vermittelte Wissen praktisch umgesetzt haben. Es sind alle reif für das selbstständige Arbeiten … und dies in nur 2 1/2 Monaten. Entweder sind diese Jungs und Mädels unglaublich klug, oder der Lehrer ist einfach weltklasse ;-).

Der ganze Trip war ein voller Erfolg. Rückreise am Sonntag 12.10. über die Nordbank auf einer ausgebauten 2 spurigen Autobahn verlief eigentlich bis fast zuletzt perfekt. Knackpunkt war der Übergang mit der Fähre von Barra nach Banjul, vergleichbar mit einem Nadelör. Da die Nordbank eine richtige Strasse hatte, ist diese Seite die Hauptverkehrsachse von der Hauptstadt in die Provinzen und deswegen auch ziemlich frequentiert. Der Fährbetrieb über den gut 800 m breiten Gambiariver (kurz vor seiner Mündung ins Meer) wird von 3 Fähren, welche mit denen zwischen Horgen und Meilen auf dem Zürichsee verglichen werden können. Beim Zeitpunkt unserer Ankunft waren aber 2 Fähren defekt!!! Der ganze Verkehr wurde also mit einer Fähre über diesen verdammten Fluss befördert. Dauer eines Zyklus: 1 Stunde. Nach 4 Stunden Wartezeit in der prallen Sonne wurde dann von einem Polizisten verkündet, dass die nächste Fähre die letzte sei. Was dann geschah, kann man mit einemBeinahetodeserlebnis vergleichen. Der Zufahrtsweg zur Fähre führte über einen ca. 100 m langen Quai, der links und rechts durch 5 m hohe Mauern begrenzt war, ein Kanal sozusagen. Wie durch ein Wunder schafften wir es an Bord und so schipperten wir in einer hoffnunglos überfüllten und kurz vor dem Auseinanderbrechen stehenden Fähre ans andere Ufer.

Wie glücklich war ich, wieder “zuhause” zu sein. Nach dem Abstecher in Basse erschien mir meine Behausung (über welche ich mich anfänglich so beschwert habe) wie ein Luxushotel.

 

 

 

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