Swiss Student Fund for Children Empowerment

So

31

Aug

2008

Salama Leikum Mohammed Markus Ann

Also, wie ihr seht gibts mich noch. Man koennte fast sagen wieder ein bisschen mehr, als noch vor zwei Tagen. Gestern Freitag war Maria Himmelfahrt … und stellt euch vor, die liebe Marry hatte erbarmen mit dem lieben Christen Maegge (alleine in Muslimland Gambia) und sandte ihm seinen so sehr fehlenden Koffer:)

Sich ueber seine wiedererhaltene Privatapotheke freuende Markus setzte sich, eingehuellt in eine Wolke von Antibrumm forte, gemuetlich waehrend des Sonnenuntergangs auf seine Veranda (zuvor verkroch ich mich bei Sonnenuntergang schoen unter mein Mosquitonetz und verbrachte den Abend auf einem 90×110cm ehemaligen Spitalbettcehn) und wurde natuerlich genuesslich von den Mosquitos aufgefressen. Gut gemacht. Manchmal muss man halt zuerst hinfallen, bevor man begreift, dass die Schwerkraft doch existiert. Nun ja, zum Glueck befinde ich mich nicht in einem Hochrisikogebiet fuer Malaria, welche eine der Haupttodesursache fuer Schwangere und Kinder unter 5 Jahren hier in Gambia ist…

Fuer alle, die es noch nicht wissen: Ich befinde mich in Brikama (Gambia), wo die Uni Witten - Hardecke (D) unter Leitung von Dr. Andreas Jordan einen Kindergarten und eine rudimentaere Zahnklinik aufgebaut hat. Zu diesem Projekt bin ich wegen der freundlichen Unterstuetzung von Stephan Baumgartner (Swiss Student Fund) gekommen, welcher zur Zeit soeben sein Examen in Zahnmedizin in Zuerich abschliesst. An dieser Stelle moechte ich dir - lieber Stephan - nochmals alles Gute und viel Glueck wuenschen.

Meine Hauptaufgabe ist -  neben Behandlung der oertlichen Bevoelkerung natuerlich - die Ausbildung von Krankenschwestern/-pflegern und Militaerangehoerigen waehrend 3 Monaten zu CoHW’s (Community Health Worker) mit abschliessender Pruefung und Diplom. Diese sogenannten CoHW’s koennen anschliessend in ihr Dorf zurueckkehren und duerfen Anaesthesie legen, Zaehne ziehen und einfache Fuellungen aus Glasionomerzement legen. Dies alles natuerlich nur, wenn ich sie die Pruefungen bestehen lasse …:)

Es war wirklich faszinierend dem Klinikleiter bei der Arbeit zuzusehen. Der exte einen 16, subgingival frakturiert, karioes bis ins Kleinhirn, mit diesen Instrumenten in 5 min. ohne Schmerzen fuer den Patienten. Wenn man hier etwas lernen wird, dann Zahnextraktionen. Zwar koennen sie auch Fuellungen machen, doch haben sie nur Bohrer aus den 60er Jahren (Gestaenge mit Drehwinden) ohne Wasser, ohne Absauger, ohne Luft … nun ja, optimal fuer Kompositfuellungen!

Bin nun mittlerweile seit zwei Wochen Dozent. Wer jetzt lacht … hat defintiv recht. Aber es ist halt trotzdem so. Habe mit dem Unterricht zur Ausbildung der CoHW (Community oral Health Worker) begonnen. Meine Kontaktperson in Deutschland hat mir gesagt, dass ich jeweils 4 Stunden am Morgen und 4 Stunden am Nachmittag unterrichten werde. Nunja, 4 Stunden am Morgen heisst fuer mich Beginn logischerweise um 08.00 Uhr. Nunja, denkste, Maisbrot im Quadrat. Kleinmaegge stand mutterseelenalleine vor verschlossenen Tueren. So gegen 9.30 Uhr bequemte sich dann mal der erste Student richtung mich. Schulbeginn war am ersten Tag dann doch schon um ca. 10.30. Haben uns mittlerweile geeinigt, dass der Unterricht um 9.30 beginnt, bis 11.30, Mittagessen, 13.00 weiter, 14.00 beten, 14.30 weiter, 15.30 Schluss. Unglaublich hartes Programm, ich weiss. Das mit den 9.30 haben aber leider immer noch ganz alle kapiert … ok, muss zugeben, es ist einerseits verdammt schwer, sich eine Zeit merken zu muessen, anderseits ist es auch unglaublich und unmenschlich frueh am Morgen. Von daher habe ich natuerlich Mitleid mit meinen Studenten, moechte ja nicht als Unmensch dastehen und die armen ueberarbeiteten Mitmenschen auch noch hetzen. Ausserdem haben die meisten Leute hier Muehe mit dem Kalender, aber im Rahmen meiner unermesslichen Grosszuegigkeit und Geduld schaue ich auch da mit allen 3 Augen beiseite. Gestartet habe ich mit 5 Schuelern, jetzt sind wir mittlerweile 9, obwohl der letzte erst am Donnerstag (sprich vor 2 Tagen) erschienen ist. Lustig, v.a. in Anbetracht dessen, was ich denen alles in nur 3 Monaten beibringen muss, und der Wissensunterschied von 2 Wochen doch schon betraechtlich ist. Aber was solls. Gamia NO PROBLEM ist hier das wohl allessagende Motto und als neutral flexibler Schweizer geht man halt schoen mit dem Strom…

Heute war mein bisher erlebnisreichster und interessantester Tag in Gambia. Einer meiner Studenten wurde kuerzlich Vater  (ps: ist unglaublich wieviele Kinder hier sind … habe gelesen, dass 65% der Bevoelkerung unter 10 Jahren ist) und hat mich zur Namensgebungszeremonie in sein Dorf (Brikama) eingeladen. Wow, war wirklich eindruecklich.  Das ganze Dorf war da versammelt und meine Anwesenheit wurde als Zeichen des Gluecks fuer das Kind gedeutet!!! Aus diesem Grunde haben die Dorfaeltesten beschlossen, dass das Kind im Mittelnamen nach mir benannt wird: Mohammed Markus Ann. Es war wirklich zum Schmunzeln - ich fühlte mich unglaublich geehrt!

 

 

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